Frischemärkte stärken: Der BDF im Dialog mit Bundesagrarminister Alois Rainer

Wichtiges Signal der politischen Anerkennung für die deutschen Frischemärkte
Wie sichern wir die Zukunft der Wochen- und Großmärkte in Deutschland? Darüber diskutierte der Bundesverband der Frischemärkte (BDF) in Duisburg mit Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer. Der Besuch auf dem Duisburger Bauernmarkt und das anschließende Impulsgespräch machten deutlich: Frischemärkte sind weit mehr als Einkaufsorte – sie sind wichtige Infrastruktur für regionale Lebensmittelversorgung, mittelständische Unternehmen, Vielfalt und lebendige Städte.
Auf Einladung des BDF und der Duisburg Kontor GmbH besuchte Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer am 27. August 2026 den Bauernmarkt in der Duisburger Innenstadt. Gemeinsam mit Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link, Vertretern des BDF sowie Erzeugern und Markthändlern verschaffte sich der Minister zunächst direkt vor Ort einen Eindruck von der Vielfalt und Leistungsfähigkeit des Marktes. Anschließend ging es bei einem Impulsgespräch um die Zukunft der Wochen- und Großmärkte und ihre Rolle innerhalb der deutschen Lebensmittelversorgung.














Für den BDF war der Ministerbesuch vor allem eine Gelegenheit, die Bedeutung der Frischemärkte stärker in den Fokus der Bundespolitik zu rücken. Wochenmärkte, Großmärkte und Markthallen bilden wichtige Schnittstellen zwischen Erzeugung, Großhandel, Gastronomie, Gemeinschaftsverpflegung und Verbraucherinnen und Verbrauchern. Sie eröffnen insbesondere regionalen Erzeugern sowie kleinen und mittelständischen Unternehmen Absatzmöglichkeiten jenseits hoch konzentrierter Vertriebsstrukturen.
Vielfalt braucht vielfältige Vertriebswege
BDF-Vorstandsvorsitzender Uwe Kluge betonte im Gespräch, wie wichtig es sei, neben dem Lebensmitteleinzelhandel eigenständige und mittelständisch geprägte Vertriebswege zu erhalten. Kleine und mittelständische Unternehmen benötigten Orte wie Groß- und Wochenmärkte, um selbst erzeugte oder gehandelte Produkte in den Markt bringen zu können. Nur so könnten Produktvielfalt und Wettbewerb langfristig erhalten und Monopolstrukturen vermieden werden.
Und gerade die Erfahrungen während der Corona-Pandemie hätten zudem gezeigt, welche Bedeutung unterschiedliche und dezentrale Versorgungswege für die Widerstandsfähigkeit des Ernährungssystems besitzen.
Bundesminister Alois Rainer griff diesen Gedanken auf: „Unsere Landwirte benötigen sowohl den Weltmarkt als auch den Wochenmarkt.“ Damit machte er deutlich, dass internationale Absatzmöglichkeiten und regionale Vermarktungsstrukturen keine Gegensätze sein müssen. Für eine funktionierende Landwirtschaft werden unterschiedliche Absatzkanäle benötigt.
Märkte sind auch Orte der Begegnung
Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs war die gesellschaftliche Funktion der Märkte. Wochenmärkte stehen für Lebensqualität, persönlichen Austausch und regionale Identität. Sie bringen Menschen miteinander ins Gespräch und tragen zur Attraktivität von Innenstädten und Stadtteilen bei.
Auch Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link unterstrich diese Funktion. Frischemärkte seien Orte der Lebensqualität und ermöglichten es regionalen Produkten mit kurzen Transportwegen, direkt zu den Verbraucherinnen und Verbrauchern zu gelangen. Die Sicherung dieser Strukturen sei eine gemeinsame Aufgabe von Kommunen, Ländern, Bund und Organisationen wie dem BDF.
Für den BDF ist deshalb entscheidend, Märkte künftig nicht allein anhand ihrer unmittelbar messbaren wirtschaftlichen Effekte zu betrachten. Ihre soziale, kulturelle und identitätsstiftende Funktion sollte ebenso Eingang in die Ernährungs-, Regionalentwicklungs- und Innenstadtpolitik finden. Bei Förderentscheidungen sollten deshalb auch ihr Beitrag zu Begegnung, Integration, regionaler Identität und lebendigen öffentlichen Räumen berücksichtigt werden.
Bessere Fördermöglichkeiten für Frischemärkte
Ein wichtiges Ergebnis des Austauschs betrifft die Förderung der Marktinfrastruktur. Bundesminister Rainer räumte ein, dass Wochenmärkte bislang in den bestehenden Förderstrukturen nicht ausreichend berücksichtigt werden. Als möglichen Ansatz nannte er die Städtebauförderung und sagte zu, das Thema mit der zuständigen Kollegin weiterzuverfolgen.
Genau hier setzt eine zentrale Forderung des BDF an. Der Verband regt eine eigene Förderkulisse für Investitionen in Wochen- und Großmärkte an. Denkbar wäre beispielsweise ein Modellprogramm „Zukunftsfähige Frischemärkte“. Dabei sollten nicht nur einzelne Unternehmen oder Glieder der Lebensmittelkette unterstützt werden, sondern gerade die gemeinschaftlich genutzten Marktinfrastrukturen – also jene Orte, welche regionale Lebensmittelketten überhaupt erst miteinander verbinden.
Dabei geht es um ganz konkrete Zukunftsaufgaben: moderne Marktflächen und Gebäude, Energieversorgung, Wasser- und Stromanschlüsse, Digitalisierung, Logistik sowie die Anpassung bestehender Marktinfrastrukturen an neue Anforderungen. Im Duisburger Gespräch wurde deutlich, dass solche Investitionen von Kommunen und Markthändlern allein vielfach nur schwer zu stemmen sind.
Regionale Landwirtschaft braucht Märkte
Wie wichtig funktionierende Absatzwege gerade für Erzeuger sind, machte Heiko Faby, Erzeuger und Fruchtgroßhändler aus dem Alten Land, deutlich. Groß- und Wochenmärkte ermöglichen es beispielsweise, auch Produkte zu vermarkten, die hinsichtlich Größe oder Form nicht den standardisierten Vorgaben des Lebensmitteleinzelhandels entsprechen. Gerade hier zeigt sich eine besondere Stärke der Märkte: Produzenten und Händler können unmittelbar mit ihren Kunden kommunizieren, Produkte erklären und Vielfalt anbieten.
Der BDF setzt sich deshalb dafür ein, regionale Erzeuger und Lebensmittelhandwerker künftig nicht nur bei der Produktion, sondern ebenso bei der Vermarktung zu unterstützen. Groß- und Wochenmärkte können dabei als regionale Vermarktungsplattformen eine Schlüsselrolle übernehmen.
Ein weiteres großes Potenzial liegt in der Gemeinschaftsverpflegung. Schulen, Kitas, Mensen, Pflegeeinrichtungen und andere Großverbraucher benötigen verlässliche Strukturen, über die sie regionale und saisonale Lebensmittel beziehen können. Genau hier können Großmärkte, Erzeugerkooperationen und andere regionale Vermarktungsstrukturen eine Brücke zwischen Landwirtschaft und Großverbrauchern bilden.
Lebensmittel müssen wieder als wertvoll wahrgenommen werden
Bundesminister Rainer verband die Diskussion über Märkte zugleich mit einer grundsätzlichen Frage des Umgangs mit Lebensmitteln. Ernährungsbildung müsse bereits bei Kindern beginnen. Er sprach sich unter anderem für Schulgärten aus, durch die Kinder unmittelbar erfahren können, wo Lebensmittel herkommen und welcher Aufwand hinter ihrer Erzeugung steckt. Seine Botschaft war dabei eindeutig: Lebensmittel dürften nicht als beliebige Billigware verstanden werden,
Ein wichtiger Schritt im politischen Dialog
Für den BDF war der Besuch des Bundeslandwirtschaftsministers in Duisburg deshalb mehr als ein Marktbesuch. Er war ein wichtiges Signal der politischen Anerkennung für die deutschen Frischemärkte.
Der Verband wird den begonnenen Dialog nun fortsetzen. Ziel ist es, Groß- und Wochenmärkte künftig ausdrücklich in den relevanten Strategien und Förderprogrammen des Bundes zu berücksichtigen – von der Ernährungs- und Regionalentwicklungspolitik über die Stärkung regionaler Wertschöpfung bis hin zur Resilienz der Lebensmittelversorgung. Bundesminister Rainer sagte seinerseits intensivere Gespräche mit den Vertretern der Frischemärkte zu.
Damit ist ein wichtiger Anfang gemacht. Jetzt kommt es darauf an, aus dem politischen Dialog konkrete Maßnahmen zu entwickeln. Denn eine vielfältige und widerstandsfähige Lebensmittelversorgung braucht auch in Zukunft starke Großmärkte, lebendige Wochenmärkte und attraktive Markthallen. Oder, wie BDF-Vorstandsvorsitzender Uwe Kluge es in Duisburg zusammenfasste: „Die vorhandenen guten Ansätze müssen gemeinsam umgesetzt werden – an einem Strang.“
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